Battle of the Books

Commentary

Das Leben ist ein Kampf. Und die Liebe. Und nun auch die Buchvorstellung. Man mag den Kopf schütteln. Man kann aber auch einfach mal hingehen. Zum „Buchbattle“. Am Mittwochabend fand der vierte seiner Art im Monarch, in Nähe des Kottbuser Tors, statt. Wer alle sieben Sinne beisammen hatte, der saß nicht hier. Der trank ein Bier. Irgendwo da draußen im tropischen Berlin. Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn sich nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit ein paar verirrte Seelen, Nerds oder Hippster für jedwede Art der Unterhaltung begeistern ließen.

Die schöne Sarai machte den Anfang. „Liebesleben der Naturvölker“ heiße dieses Buch, das ihr viel bedeute. Meinte sie das ernst? Sie meinte es ernst. Sarai begann zu lesen. Erst aus dem Inhaltsverzeichnis. Dann aus dem Kapitel über Beschneidungen. Und schon wünschte man sich fort. Auf die endlosen Weiten des Tempelhofer Feldes, wo die mit den sieben Sinnen jetzt den Schweiß des Tages verdunsten ließen. Stattdessen erfuhr man von den verschiedensten Möglichkeiten, die Vorhaut des männlichen Glieds zu entfernen.

Hatte nicht mal jemand den Tod des Autors ausgerufen? Und wenig später den Tod der Autorenlesung. Und dann die Geburt des Poetry Slams, der Performance verkündet? Und jetzt das. Sechs Menschen stellen Bücher vor. Nicht ihre eigenen. Die anderer. Zeit haben sie dafür sieben Minuten. Und am Ende kann es nur eine(n) geben. Die beste Vorstellung – vom Publikum adäquat beklatscht – gewinnt.

Auf Sarai folgte Nancy. Nancy gefiel Anny Proulx ganz außerordentlich und las deswegen Blutfuchs – eine Geschichte über Cowboys und menschenfressende Pferde. Blutfuchs ist eine Kurzgeschichte. Also las Nancy alles. So leicht hatte es Noemi nicht. Paul Austers „Mond über Manhattan“ passt nicht in sieben Minuten. Also las Noemi nur einen Ausschnitt. Dafür aber mit dem ganzen Körper, der sich neigte, lächelte und mit den Armen flatterte, wenn der Text es verlangte.

Es folgte die Halbzeitpause und man wäre gern gegangen. Doch man tat es nicht. Aus Höflichkeit, professioneller Disziplin oder Faulheit. Und die Belohnung folgte prompt. Vanessa trat in den Schein der Leselampe.

Oh Vanessa, du spanische Königin des philosophisch-literarischen Mashups. Du kamst auf den Gedanken „Die Dialektik der Aufklärung“ zu vertonen. Begleitet von elektronischer Klangkunst erzähltest du uns von Odysseus‘ Widerstand gegen die Sirenen und brachtest uns so Horkheimer und Adorno näher. Und am Ende glaubten wir zu verstehen “warum die Menschheit anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“.

Schon fast begann man die mit den sieben Sinnen auf dem Tempelhofer Feld zu bemitleiden, wie sie da so stumpf auf der Wiese lagen. Denn ihnen entging nicht nur Vanessa, sondern auch Maxi, die mit der wohl lässigsten Lese-Einlage aller Zeiten aus Sven Regeners „Neue Vahr Süd“ den Kampf und eine Kiste Bier gewann.